Buchtipp: Gentoo Linux – Die Metadistribution

Tobias Scherbaum, Gentoo Entwickler und Systemadministrator, hat mit “Gentoo Linux – Die Metadistribution” das weltweit erste Buch zum Thema Gentoo Linux auf den Markt gebracht.
Auf 269 Seiten wird in 10 Kapiteln die Gentoo Linuxdistribution vorgestellt. Das Buch wurde Ende 2007 veröffentlicht, ist im mitp Verlag erschienen und kostet 29,95 EUR. Ein Teil des erzielten Autorenhonorars geht als Spende an den Förderverein Gentoo e.V.
Nach der Einführung, in der das Gentoo Projekt erklärt wird sowie Quellen zur Hilfefindung genannt werden, folgt ein Installationsleitfaden für die Architekturen x86 und AMD64 aka x86_64. Darauf folgt eine Einführung in das Herz Gentoos: das Paketmanagementsystem Portage.
Im vierten Kapitel wird die Installation und Konfiguration eines Desktopsystems exemplarisch an KDE und Gnome durchgeführt und erklärt. Darauf folgt eine Beschreibung der USE-Flags, dem zweiten Kernfeature der Gentoo Distribution. Neben dem Umgang mit den USE-Flags werden hilfreiche Tools vorgestellt, die das Arbeiten mit den USE-Flags erleichtern. Kapitel 6 beschäftigt sich mit dem Schutz von Konfigurationsdateien und dem Update derselbigen.
Im folgenden Kapitel werden die Unterschiede der einzelnen Zweige der Gentoo Distribution erläutert und wie man einzelne Pakete aus dem nicht stabilen Zweig sauber ins System integrieren kann. Es folgt ein wichtiger Abschnitt, der das Arbeiten mit Portage detailliert beschreibt. Einzelne Optionen und Variablen werden beschrieben, mit denen sich das Verhalten der Paketverwaltung beeinflussen lassen. Zusätzlich wird hier auf die Optimierung des Systems eingegangen, gleichzeitig aber auch vor groben Fehlern und Performancemythen gewarnt. Abschließend werden einige Tools genannt, die den Umgang mit Portage erleichtern und einige Best Practices aufgezeigt.
Kapitel 9 beschäftigt sich mit der Systemadministration. Dies beinhaltet Benutzerverwaltung, Runlevel und Netzwerkkonfiguration. Im letzten Kapitel wird das Thema Sicherheit behandelt. Der Umgang mit GLSA – den Gentoo Linux Security Announcements – wird beschrieben sowie einige Tipps für die Härtung des Systems gegeben. Dies umfasst u.a. die Absicherung des Bootloaders oder des SSH Dienstes. Im Anhang folgt ein Abdruck des Gentoo Social Contract sowie abschließend ein Stichwortverzeichnis.
Fazit:
Das Buch richtet sich vor allem an Linux Benutzer, die einen Einstieg in die Welt der Gentoo Linux Metadistribution suchen. Linux Neulingen sei andere Linux Literatur ans Herz zu legen, die die Linux Grundlagen beschreiben. Das Gentoo Buch setzt Linux Grundlagen voraus. Es ist eine gute Ergänzung zur bestehenden Gentoo Dokumentation, wobei Überschneidungen nicht zu vermeiden sind. Sehr gut haben mir die vielen kleinen Tipps & Tricks am Rande gefallen, die sich in keiner Dokumentation wiederfinden lassen. Viele neue Tools durfte ich kennenlernen sowie Best Practices für den Administrationsalltag finden. Hin und wieder hatte ich ein Déjà-vu Erlebnis, da sich einige Passagen im Buch wiederholen – so z.B. die Erläuterung zu diversen Tools. Alles in allem lässt sich dieses Buch an jeden Gentoo Interessierten weiterempfehlen. Auch erfahrene Gentoo User werden hier und dort noch Neues entdecken können, wenn auch einen Großteil des Inhalts bereits kennen.
Links:
Gentoo Linux – Die Metadistribution Inhaltsverzeichnis
Probekapitel 1: Das Gentoo-Projekt
Offizielle Homepage
Gentoo Linux – Die Metadistribution bei Amazon Deutschland



Jörg
Habe mir das Buch auf der CeBit gekauft. Ich muss ehrlich zugeben, dass es mich schon fast gefesselt hat wie einen Roman. Es war meiner Ansicht nach zu viel Wiederholung drin, da diverse Textpassagen häufig kopiert wurden, wenn sich ein Thema innerhalb eines anderen (z.B. Portage bei der Installation und weiter hinten im Buch nochmals Portage bei der Thematik Paketmanager).
Es ist leider ein wenig Dünn geraten und hält sich teils doch – wieder meine Ansicht – arg an die Dokumentation.
Zugegeben, das hat einen hohen Wiedererkennungswert. Abgesehen davon sieht man doch noch ein paar neue Dinge, auch wenn man sich schon mal mit Gentoo Linux beschäftigt hat. Vor allem die praktischen Bezüge haben mir gefallen.
Man merkt aber schon die Nerdischen Wurzeln des Buches. Vor allem bei der Wortwahl wird wenig Rücksicht auf Gentoo Fremde genommen.
Die Ausgabe von 20 Euronen hat sich schon gelohnt. Mehr Geld dafür hinzulegen wird glaube ich enttäuschen. Aber es war auch jedenfall schon mal ein Guter Ansatz von Thobias endlich mal ein Buch zu Gentoo herauszubringen. Hoffentlich kommt bald eines für versiertere Benutzer.
Tobias Scherbaum
Irgendwie werde ich aus deinem Kommentar nicht schlau
Ich weiss noch nicht so genau wie “gefesselt wie ein Roman” und “häufig kopiert” zusammen passen
Grundsätzlich ja, Wiederholungen lassen sich nicht wirklich vermeiden. Ich hoffe den roten Faden gefunden zu haben, dennoch sollte ein Paketmanager und der rudimentäre Umgang damit schon eingangs abgehandelt werden, bevor man damit umgeht. Das wird später wieder aufgegriffen und vertieft, ähnlich verhält es sich mit einigen weiteren Tools. Das führt zwangsläufig zu einigen inhaltlichen Überschneidungen.
An die “Dokumentation” hält es sich eigentlich nur im Installationskapitel – und da lässt es sich auch nur schwerlich realisieren, nicht den Standardweg zu gehen, sondern eine eigene Installationsprozedur (die genauso gut getestet ist) zu entwickeln
Bzgl. der nerdigen Wortwahl, hast du ein paar Beispiel wo dir das extrem aufgefallen ist?
Und was genau meinst du mit “eines für versiertere Nutzer”? Was sind Themen die dich dort interessieren würden?
Wie auch immer euer Feedback ausfällt, ich finde es ausserordentlich wichtig und es hilft mir, das Buch weiter zu entwickeln. Für mich war es vornehmlich ein (mittlerweile als gelungen zu bezeichnendes) Experiment, das sicherlich noch weit davon weg ist “perfekt” zu sein – aber der Weg ist das Ziel
Jörg
Ich muss zugeben, dass ich wirklich überrascht bin, dass sich der Auto persönlich meldet. Also “gefesselt wie ein Roman” und “häufig kopiert” passen in sofern zusammen, dass sich das Buch einfach lesen lässt wie eine Geschichte. Es war einfach so, dass ich häufiger in bemerkt habe, dass schon wieder 20 Seiten an mir vorbeigezogen sind, ohne das es mir so vor kam. Häufig kopiert ist in diesem Zusammenhang nicht zwangsläufig eine Abwertung. Es ist halt nu so, dass der Text 1 zu 1 übernommen wurde (eben kopiert) und mir DAS aufgefallen ist. In den meisten bisher gelesenen Fachbüchern (und wie Du warscheinlich auch waren das einige) wird der Text eben nicht kopiert sondern darauf verwiesen. Etwas wie “wie schon in Kapitel X erklärt” ist einfach etwas anderes, als wenn der Text genau so wieder vorkommt, wie man ihn auf den vorherigen Seiten gelesen hat.
Zu dem roten Faden. Ich denke, Der rote Faden ist durchaus gefunden worden. Meiner Meinung nach ist es sogar das gradlinigste Buch was ich in letzter Zeit gelesen habe, was sehr angenehm war.
Ok, der Bezug zur “Dokumentation” musste zu erkennen sein. Ich meinte es auch nicht unbedingt negativ. Ich denke, dass der Wiedererkennungswert und der daraus resultierende Lernfaktor immens ist, wenn man Bezugspunkte vom Start an (dem Lesen des Buches) bis zur alltäglichen Benutzung (das wälzen der Wikis und Dokus) hat.
Die nerdige Wortwahl… Hmmm, wie soll ich das am besten betiteln? Es wird einem einfach sehr schnell klar, das die Zielgruppe nicht der (sorry für das Argument) SuSE-Live-CD-Umsteiger ist. Du verwendest einfach Fachbegriffe, wo man nicht unbedingt welche verwenden müsste. Das ist wiederum auch nicht negativ. Ich fand es sehr angenehm mal etwas nicht so umschrieben sondern direkt in der “bekannten Sprache” lesen zu dürfen.
“Eines für versiertere Nutzer”… Eben genau das, was es aussagt. Ich meine, ist das was Du in dem Buch beschreibst alles, was Du bei einer Gentoo-Installation tust? Ich glaube eher nicht. Meiner Ansicht nach stellt das Buch einen wirklich gelungenen Einstieg dar. Was kommt da als nächstes… Richtig, der Alltag und die weitere Verwendung. Ich denke da an etwas wie hardended, Stage4 (ich hab das mal so aus nem Wiki übernommen) Backups, Einsatz als Server, virtualisierung, und eben weitere Dinge, die man z.B. so auf gentoo-wiki.com findet. Vielleicht habe ich da aber auch als einziger solche Wünsche.
Alles in allem muss ich dich aber zu deiner Arbeit beglückwünschen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es schwierig ist, sich so einem Projekt zu witmen. Mir fällt ja schon der Einstieg in ein solchen Projekt schwer, von daher sollte ich mich wohl eher zurück halten. Es würde mich aber dennoch freuen, wieder ein solches Buch lesen zu dürfen (sozusagen einen zweiten Teil).
Bis dahin
matthias
Meiner Meinung nach hast du den roten Faden bereits gefunden. Das meiste habe ich ja bereits in der Rezension berichtet, aber hier ein paar Wünsche für die zweite Ausgabe:
- Nach Möglichkeit weniger Wiederholungen, lieber mehr Verweise
- Wie baue ich ein eigenes Ebuild – Ebuild Syntax anhand eines Beispiels erklären.
- Best of USE-Flags für verschiedene Umgebungen. z.B. Desktop KDE oder Gnome, Server mit LAMP etc.
- Systemhärtung und hardened-sources
- Kapitel 4 weiter nach hinten packen, erst weiter die USE-Flags und Portage “erklären”
- Mehr Tipps & Tricks und Best Practices (die sind nämlich super!)
Das sind natürlich nur Vorschläge, die ich als Leser mit Gentoo Erfahrung geben kann. Totale Gentoo Neulinge oder echte Gentoo Cracks sehen das evtl. anders
Nichtsdestotrotz: Super Buch – Weiter so!
Tobias Scherbaum
@Jörg: “zweiter Teil” nicht, aber …
Danke euch beiden für die Rückmeldungen
Wenn noch wer mag … nur zu
matthias
@Tobias
aber …? Englische Ausgabe?
Tobias Scherbaum
Nein, keine Englische Ausgabe. Britische/Amerikanische Publisher tun sich wohl schwer mit übersetzten Werken …
“Zweiter Teil” klang für mich mehr nach “Fortsetzungsroman”, den “zweiten Band” wirds denke ich nicht geben – aber zumindest nach aktuellen Stand der Dinge wird das Buch-Projekt weitergehen.
matthias
Sehr schön – das freut mich
Jörg
dito…
Stefan
@Tobias:
Wie bist du eigentlich dazu gekommen, das Buch zu schreiben, hast du einfach den Verlag angesprochen?
Tobias Scherbaum
Die Idee war schon länger da, Gespräche gab es auch ein paar – trotzdem hat sich das so dann doch eher zufällig ergeben