Fernstudium Informatik – anyone?

Seit dem Sommersemester 2008 absolviere ich neben dem Beruf noch ein Fernstudium im Fach Informatik an der FernUniversität Hagen. Stefan ist zum Wintersemester 2008/09 hinzugekommen. Bei dem Studium handelt es sich um ein Teilzeitstudium, bei dem die Regelstudienzeit doppelt so lang wie im Vollzeitstudium an einer Präsenzuniversität dauert – statt drei Jahre werden hier also rund sechs Jahre angesetzt. Unser Ziel ist vorerst den Bachelor of Science (B.Sc.) zu erreichen.
Im Gegensatz zum “normalen” Studium gibt es keine regelmäßigen Vorlesungen an der Universität. Dafür gibt es ein Skriptum, das in mehrere Kurseinheiten aufgeteilt ist. Zu jeder Kurseinheit gibt es Einsendeaufgaben, die nach erfolgreicher Bearbeitung an den Kursbetreuuer zurückgeschickt werden. Am Ende des Semesters findet eine Prüfung in mündlicher oder schriftlicher Form statt.
Fehlende Vorlesungen sollen durch Mentorenveranstaltungen in den Studienzentren ausgeglichen werden. Bei dem Studienzentren handelt es sich um Außenstellen der FernUniversität Hagen zur Beratung und Betreuung der Studierenden. Leider finden nicht in jedem Studienzentrum in jedem Semester die passenden Mentorenveranstaltungen statt, so dass man in dem Fall auf die Kurseinheiten und die FernUni Community im Internet angewiesen ist. Zu jedem Kurs gibt es auf dem eigenen Uni-Newsserver eine passende vom Kursbetreuer moderierte Newsgroup sowie zusätzlich ein von Studierenden geschaffenes Internetforum.
Da so ein Studium neben Beruf und Privatleben sehr viel Zeit und Energie verschlingt, würde ich mich über Meldungen anderer Blogleser freuen, die ebenfalls ein Fernstudium absolvieren. Wie geht ihr an den Stoff ran – wie teilt ihr euch die Zeit ein? Was macht ihr wenn es mal nicht weitergeht oder die Motivation und Energie gänzlich fehlt? Natürlich freue ich mich auch über Rückmeldungen von Vollzeitstudenten an Präsenzunis – schließlich ist der Stoff und der Anspruch derselbe.



drscream
Ich bin zur Zeit “Vollzeit”-Student und habe mich damals gegen ein Fernstudium und fuer ein Vollzeitstudium entschieden. Nachdem einige Kollegen, die ein Fernstudium angefangen haben und dieses dann schleifen liesen, mir davon abgeraten haben.
Ich konnte gluecklicherweise mit meinem Arbeitgeber so “verhandeln”, dass ich zu den Vorlesungsfreien Tagen, bzw. an den Tagen an denen ich es nicht fuer noetig halte in die Vorlesung zu gehen, zum Arbeiten zu erscheinen. Das Funktioniert recht gut wenn man Projektaufgaben hat die man ggf. auch mal Abends nach der Vorlesung fertig stellen kann. Somit bleibe ich immer noch Teilzeitmaessig im Berufsleben und kann mich somit manchmal mehr und manchmal weniger fuer das Studium konzentrieren.
Michael
Ich mache auch ein Fernstudium – zum staatlich geprüften Betriebswirt/Wirtschaftsinformatik am ILS. Hauptberuflich komme ich aber aus der IT-Ecke. Die Regelstudienzeit ist 3 Jahre, man kann sich bis zu 5 Jahre Zeit lassen.
Ich habe mich im Vorfeld bei verschiedenen Institutionen informiert. Da ich nen Job, ein Haus, Familie und wenig Zeit habe, fielen schon mal die raus, wo man etwa 30% Vorlesungen an der Uni besuchen musste. Meist Samstags, also 1x in der Woche. Das hätte ich nie durchgehalten.
Mir war wichtig, das Studium an sich komplett zu Hause absolvieren zu können und dann zu den Klausuren und später zu den Prüfungen gebündelte Präsenz-Zeiträume (2 Wochen pro Jahr + 4 Tage Prüfungen im letzten Jahr) zu haben. Das erleichtert die Sache ungemein. Tja und so bin ich bei diesem Studium gelandet.
Im Anschluss daran kann man innerhalb 2 Jahren den Bachelor dranhängen, wenn man noch nicht genug bekommen hat.
Zur Zeiteinteilung ist super-wichtig, Dir einen festen Stundenplan zu machen. Alles in der Richtung “ich mach dann mal, wenn Zeit ist” kannste gleich vergessen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn Du Deine Stunden in der Woche nach Plan absolvierst, ist nach einiger Zeit die Überwindung gar nicht mehr schwer.
WANN man lernt, hängt natürlich von den persönlichen Verhältnissen ab und wann man am besten lernen kann. Ich lerne gleich abends nach der Arbeit in der Firma. Da melde ich mich dann offiziell ab und verschwinde in irgendeinen Besprechungsraum mit PC und Internet. Das erste halbe Jahr hab ich’s von zu Hause versucht, aber bis die Kids im Bett sind und ich hier dazu kam, war es locker 20 Uhr durch und dann war die Motivation und Konzentrationsfähigkeit doch eher gering.
Zur Motivation: Ich schöpfe genug daraus, mir zu sagen, damit schnell fertig werden zu wollen. Das ist Motivation genug. Natürlich kann ich in meinem Fall auch nicht übertreiben, wie irgendein Single-Student, der da locker mal 8 Stunden am Tag durchziehen kann. Man muss sich die Kräfte eben einteilen. D.h. auch mal, Fünfe gerade sein zu lassen und sich mal faul vor die Glotze zu werfen, wenn man im Eimer ist. Kontinuität ist wichtig, also keine zu langen Pausen, aber auch keine wochenlangen Extremsessions, wo man dann schon schnell die Lust verlieren kann. Es soll Spaß machen.
Wenn’s mal schwierig wird, kann man sich immer noch einreden, dass man das schließlich freiwillig macht und ein Ziel vor Augen hat. Ich halte mich da an die Regelstudienzeit. Diesen Durchschnitt kann ich halten. Schneller geht’s halt nicht und langsamer auch nicht.
pugnacity
also ich hatte es auch mit informatik an der fernuni probiert, und muss sagen ich bin kläglich gescheiert. ich hatte zusammen mit vier freunden und drei kursen angefangen. inzwischen haben es alle auf gegeben oder machen nur noch einen kurs.
die ursache? hmm ich denke, zuwenig zeit und zuviel zu tun. alle waren vollzeit beschäftigt und haben freundin und co. und es fehlte irgend wie der biss.
was glaub ich sehr wichtig ist, das man das ganze nicht allein macht und sich regelmäßig von angesicht zu angesicht trifft und den stoff durch geht. nur vom reinen lesen wird das nichts.
da wir alle kein abi hatten, fehlte uns in mathematik viel an wissen, vielleicht, sollte man ein semester vollzeit studiert um die basics zu lernen.
Schakko
Ich bin seit Anfang 2009 bei w3l und mache ein Fernstudium Web- und Medieninformatik. Das Studium erfolgt in Kooperation mit der FH Dortmund. Momentan bin ich eigentlich ganz zufrieden – 3 der 34 Pflichtmodule sind bestanden.
Von der Zeit her habe ich das große Glück, dass mein AG mir pro Woche 2 Tage für das Studium zukommen lässt, d.h. 3 Tage arbeiten (Softwareentwicklung) und 2 Tage studieren.
Ein wirkliches Motivationsloch hatte ich zu Anfang des Mathemoduls, weil die Thematik doch arg abstrakt war. Aber nach der Einfuchsungs-Phase war die Motivation auch wieder da.
Andreas
Ich habe Informatik an der Universität des Saarlandes studiert und bin sehr froh, dass ich nebenher immer Arbeiten musste um mein Studium zu bezahlen. Es hat dadurch fast 4 Semester längert gedauert, aber nur so übersteht man die anfängliche Unlust sich in extrem theoretische Gefilde vorzuwagen. Viel Zeit hat man dabei natürlich auch nicht und ich bin schon mal sehr nahe an die Uni gezogen, sodass ich weniger Zeit bei An- und Abreise “verschwende”. Aber je nach Vorlesungen und gefordertem Arbeitspensum kommt man auch locker auf seine 50-60h Arbeit pro Woche (zusätzlich noch arbeiten). Oft hilft es hier sich in Arbeitsgruppen zu organisieren und den Stoff und die Übungsblätter gemeinsam zu bearbeiten.
Und ja, auch im Vollzeitstudium kommt einmal der Punkt, an dem man nicht mehr will :-p
Ich finde es super, dass du dich für Fernuni entschieden hast und wünsche dir viel Erfolg und dass du “am Ball bleibst”.
Stefan
Ich studiere Software-Engineering an der Ohm-Hochschule Nürnberg nach dem Konzept des sogenannten “Blended Learning”. Das Studium wird berufsbegleitend absolviert und alle sechs Wochen gibt es einen dreitägigen Präsenztermin. Das Studium endet mit dem Abschluss Master of Engineering und dauert 2 Jahre. Voraussetzungen sind ein Diplom oder Bachelor und mindestens 2 Jahre Berufserfahrung bis zum Ende des Studiums. Das Studium ist kostenpflichtig.
Ich muss sagen, dass es tatsächlich viel Arbeit bedeutet, berufsbegleitend zu studieren. Bei jedem Präsenztermin wird eine Klausur zum Thema des vorherigen Präsenztermins geschrieben und das Studienprojekt, das nebenbei läuft, nimmt auch viel Zeit in Anspruch. Man kann sich eigentlich nie auf die faule Haut legen, weil man in den sechs Wochen zwischen den Terminen das nächste Thema und die anstehende Klausur vorbereiten muss. Dafür hat man aber auch eine optimale Betreuung und einen klar vorgegebenen Ablauf des Studiums.
Im Moment bin ich in der Phase der Masterarbeit und würde das berufsbegleitende Studium jederzeit wieder machen. Auch wenn man sich manchmal durchringen muss zu lernen, bleibt man so doch zwangsläufig auf dem neusten Stand und bildet sich weiter. Außerdem zeugt es von gutem Zeitmanagement, wenn man Job und Studium so vereinbaren kann
Markus
Ich habe an der Wilhelm Büchner Hochschule Informatik auf Diplom studiert und würde immer wieder den Weg des Fernstudiums gehen. Allerdings muss ich auch sagen, dass der Aufwand an der Fern-FH sicher geringer war, als er an der FernUni Hagen ist. Gerade diese ist ja sehr anspruchsvoll. Ich habe mein Diplomstudium auch in der Regelstudienzeit von acht Semestern abschießen können – in Hagen hätte ich wohl mindestens das doppelte an Zeit benötigt.
Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Erfolg für Dein Fernstudium und würde mich freuen, auch künftig von Dir zu lesen, wie es so voran geht.
matthias
Danke für eure zahlreichen Rückmeldungen!
@drscream
Ich habe mich damals gegen die Variante Vollzeitstudium/Teilzeitjob wegen des Geldes entschieden. Schließlich wollen Miete und andere Verpflichtungen im monatlichen Turnus bezahlt werden. Daher gab es für mich keine andere Möglichkeit.
Aber das Argument mit dem “schleifen lassen” kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist nicht immer einfach, konsequent die Studiumsunterlagen durchzuarbeiten. Häufig siegt da auch bei mir die Bequemlichkeit …
@Michael
Das “ich mach dann mal, wenn Zeit istâ€-Zeitmanagement ist wirklich ein Problem. Das habe ich selbst festgestellt und bin derzeit dabei, alles strukturierter und mit mehr Planung anzugehen.
@pugnacity
Stimmt, die “echten” Kommilitonen fehlen schon. Teilweise habe ich das versucht mit sogenannten Selbstlerngruppen im Studienzentrum in den Griff zu kriegen, jedoch mit weniger Erfolg als man wahrscheinlich durch häufigere Treffen mit seinen Vollzeit-Mitstudenten hätte.
@Schakko
Inwiefern bei mir der AG Unterstützung bietet, kann ich derzeit noch nicht sagen, da mein Jobwechsel noch nicht lange her ist. Auf Dauer werde ich aber auch mal anfragen, ob hier zeitliche Freiräume möglich sind. Ich denke gerade mehr Zeit und Unterstützung vom AG können viel ausmachen.
@Andreas
Derzeit “verschwende” ich noch viel Zeit mit meinem Arbeitsweg (ca. 1,5 h pro Tag). Ein Punkt, der später nochmal optimiert wird.
@Stefan
Ich denke auch, dass Studium + Beruf das eigene Zeitmanagement optimiert und für spätere Positionen vorbereitet, in denen diese Belastbarkeit gefragt ist.
@Markus
Die Wilhelm Büchner Hochschule hab ich mir damals auch angeschaut, war mir aber zu teuer – besonders im Vergleich zur FernUni Hagen. Jedoch denke ich, dass dort die Betreuung dafür deutlich besser ist und man somit auch in “nur” 3,5 Jahren sein Ziel erreicht. An der FernUni sind leider 6 Jahre dafür angesetzt.
Markus
Ja, es ist schon so, dass bei den privaten mehr Betreuung ist und das Studium mehr durchstrukturiert ist, so dass man schneller voran kommen kann. Auf der anderen Seiten hast Du dann aber auch eine Uni-Abschluss, und nicht “nur” einen FH-Abschluss. Und an den Präsenzhochschulen ist Uni ja auch theoretischer etc. als FH. Wobei man sagen muss, dass wohl auch die FernUni Hagen schon Fortschritte gemacht hat, was Service etc. angeht.
Suzi
Sehr interessantes Thema.Ich finde die Kommentare haben eine gute Diskussion geschafft. Danke für diese Infos. Die Seite finde ich eigentlich sehr schön.Weiter so!
Marc
Hi,
viel Erfolg beim Fernstudium! Ich habe selbst insgesamt 14 Semester in 3 (Praesenz-)Studiengaengen an 2 Unis absolviert bis ich keine Lust mehr hatte nur zu lernen ohne zu wissen wofuer.
Dann habe ich normal gearbeitet und dabei gelernt, dass das einzige, was schlechter ist als ein Nicht-Akademiker ein Studienabbrecher ist…
Ich habe von 2004 bis Anfang 2008 6 Semester plus Bachelorarbeit bei der Telekom absolviert. Das hiess hier, dass ich neben einem Vollzeitjob als Entwickler bei T-Systems noch ein FH-Studium zum B. Eng. Fachrichtung Telekommunikationsinformatik – also eine Mischung aus Nachrichtentechnik und Informatik – absolviert habe.
Mein heissester Tip: Wenn Du den Stoff so nicht verstehst, wie er im Skript steht, schau in irgendeiner Bibliothek nach alternativen Buechern. Ich habe meine C++-Grundlagen aus einem Kinderbuch geholt. WIE Du das Zeugs lernst ist in einem Studium, vor allem in einem Fernstudium, Dein Problem. Wichtig ist nur, DASS Du es lernst.
Mein zweiter heisser Tip: Ich war abends nach der Arbeit (offiziell 38h abzgl. 3h Freistellung fuer Online-Vorlesungen pro Woche) so fertig, dass ich oft keine Motivation mehr hatte, noch was zu lernen. Ich habe deshalb morgens gelernt. Es klingt pervers, aber ich bin morgens um 4 Uhr aufgestanden und habe dann bis zum Fruehstueck gelernt. Dann konnte ich mich den Tag durch im Job auspowern wie ich wollte und hatte mein Pensum schon geschafft.
Gruss und viel Erfolg
Marc